Seltsam, seltsam. Als der Freund kam und das Geld nahm…

Nachdem der spektakuläre Vorgang bereits aus gut informierten Kreisen durchgesickert war und später auch durch die Presse aufgegriffen wurde, sah sich der GDL-Bundesvorsitzende offenbar in der ultimativen Pflicht, die vom Landeskriminalamt Hessen am 24. Mai 2016 durchgeführte Hausdurchsuchung der GDL-Hauptgeschäftsstelle in Frankfurt/Main per Rundschreiben an die Bezirks- und Ortsgruppenvorstände einer eigenen Interpretation zu unterwerfen. Was eine derartige Interpretation beinhaltet, ist unschwer zu erraten: Zum eigentlichen Sachverhalt vornehm schweigen, stattdessen Attacke gleichsam gegen den bzw. die Anzeigenden wie auch jener Medien fahren, die den Fall an die Öffentlichkeit getragen haben und schließlich nicht nur die eigene Unschuld beteuern, sondern sich als Opfer einer Kampagne hinzustellen, die durch eine „fragwürdige Gruppierung geistiger Heckenschützen – affektgetrieben und aus niederen persönlichen Motiven“ mithilfe der Presse „ein Angriff auf alle Berufsgewerkschaften in diesem Lande“ darstellt und „bedenkenlos Arbeitgebern und Großgewerkschaften in die Hände“ spielt. Keine Frage, dass man gegen „diesen unlauter kämpfenden Gegner“ auch weiterhin geschlossen zusammenstehen und selbstverständlich mit den Ermittlungsbehörden kooperieren werde. Wer meint, seine Organisation mit einem derartigen Schwachsinn auf Linie halten zu müssen, liefert einen vielsagenden Einblick sowohl in seine Amtsführung, als auch die eigene Persönlichkeit.

Zu den Punkten im Einzelnen:

Die staatsanwaltliche Ermittlungen sind eingeleitet wurden, nachdem aus der Mitte (!) des GDL-Hauptvorstandes wegen des Verdachts der Untreue nach § 266 (StGB) Anzeige erstattet worden war. Der Anzeige war nach Aussage der inzwischen ausgeschiedenen Hauptvorstandsmitglieder das intensive wie vergebliche Bemühen vorausgegangen, vom GDL-Bundesvorsitzenden über die Angelegenheit umfänglich aufgeklärt zu werden. Vor diesem Hintergrund dürfte es kaum zu beanstanden sein, dass die zuständigen Ermittlungsbehörden von einem mutmaßlichen Straftatbestand in Kenntnis gesetzt worden sind. Der eigentliche Verdacht der Untreue, welcher bekanntlich eine Verletzung der Vermögensbetreuungspflicht voraussetzt, bezieht sich darauf, dass ein „nachgeordneter“ (O-Ton Weselsky) Mitarbeiter zugegeben hatte, GDL-Vermögen unterschlagen zu haben. Nach offizieller Darstellung der GDL hat besagter „nachgeordneter“ Mitarbeiter einen Teil des unterschlagenen Vermögens unverzüglich zurückbezahlt, sein Arbeitsverhältnis mit der GDL selbst gekündigt und sich zur Rückzahlung des noch ausstehenden Betrages verpflichtet. Die GDL, im juristischen Vorgehen gegen unliebsame Mitarbeiter und Amtsinhaber alles andere als ungeübt, sah in dieser prekären Angelegenheit ihrerseits jedoch von einer gerichtlichen Klärung des Sachverhalts ab, sondern wandelte das unterschlagene Vermögen „richtigerweise“ (O-Ton Weselsky) in ein Hausdarlehen um. Wenn sich nach interner wie öffentlicher Aussage des GDL-Bundesvorsitzenden die staatsanwaltlichen Ermittlungen ausschließlich gegen besagten „nachgeordneten“ und mittlerweile ausgeschiedenen Mitarbeiter richten, keimt zwangsläufig die Frage auf, ob die Ermittlungsbehörden den Tatbestand der Verletzung einer Vermögensbetreuungspflicht tatsächlich völlig außen vor gelassen haben sollen, oder die Hausdurchsuchung nicht möglicherweise auch – wenn nicht gar im Wesentlichen – dem Zweck diente, diesem und weiteren vermeintlichen Gesetzesverstößen nachzugehen.

Überschattet wird die ganze Sache natürlich von der Frage, warum besagter „nachgeordneter“ Mitarbeiter weder fristlos gekündigt, noch aus der GDL ausgeschlossen und, wie bereits dargestellt, auch nicht strafrechtlich verfolgt wurde. In einem anderen spektakulären Fall ohne jeglichen kriminellen Hintergrund wurde unlängst sogar ein ordentliches Mitglied des Betriebsrates im Hause der GDL ohne Beteiligung desselben gefeuert. Dieser Fall mündete in einem Kündigungsschutzverfahren, welches der GDL abermals eine beträchtliche Abfindungszahlung bescherte. Dass die GDL-Führung den Fall der offenkundig gewordenen Vermögensunterschlagung hingegen galant unter den Teppich zu kehren versucht hat, wird an nichts anderem liegen, als der gewerkschaftlichen Biographie des „nachgeordneten“ Mitgliedes. Handelt es sich bei dem Manne doch um einen ehemaligen hochkarätigen Amtsinhaber, der sich in seiner früheren Eigenschaft als Mitglied im GDL-Hauptvorstand nicht zu schade war, im April 2013 den formalen Antrag auf Amtsenthebung der damaligen stellvertretenden, fristlos entlassenen und mittlerweile aus der GDL ausgeschlossenen Bundesvorsitzenden Grünwoldt und Weske zu stellen. Ein Schelm, der denkt, dass der gute Freund dies seinerzeit freiwillig getan hat. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese erneute Causa-Weselsky weiterentwickeln, und mit welchen verbalen Rundumschlägen das nächste Rundschreiben der GDL-Führung gepfeffert sein wird.

Redaktion InDemoRe

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